Zwischenbilanz

Was war gut bis jetzt, was nicht. Was waren Höhepunkte und was Tiefpunkte. Was hätte ich anders machen sollen?

Es ist mir wichtig hier als ersten Punkt zu schreiben: Es ist gut das ich den Schritt gemacht habe um dieses Abenteuer zu starten. Aus jetziger Sicht würde ich es bereuen wenn ich noch im “alten” Leben wäre, obwohl dies für mich sehr angenehm, interessant und zufriedenstellend war. Vielleicht kann ich ja durch meine Reise jemanden inspirieren sich auch seinen Traum zu erfüllen. Es kann ja auch etwas weniger Lebensveränderndes sein, aber man weiss es erst wenn man es macht. Und dann gibt es nur zwei Möglichkeiten:
A) es war gut
B) man hat etwas dabei gelernt

Von meiner Vorbereitung war das meiste gut. Die 3 Jahre Vorbereitungszeit waren wohl nötig. Praktisch alles was ich in dieser Zeit gelernt habe möchte ich nicht missen. Andersrum könnte ich mir wohl Probleme ersparen wenn ich mehr gewusst hätte. Mit anderen Worten; mehr Vorbereitung wäre bestimmt nicht schlecht gewesen.
Meine persönliche (Papier-) Vorbereitung war jedoch nicht die beste. Es macht Sinn sich möglichst früh über alles zu informieren: über Krankenkasse, Versicherungen, Steuern und so weiter. Beispielsweise wäre es für die Steuererklärung einfacher gewesen per Ende Jahr mit der Arbeit aufzuhören. Ich hätte mich auch informieren können ob ich ein Visa kriege um mehr Zeit in den USA zur Verfügung zu haben. Andererseits kann man bei einer Versicherung keine Offerte einholen wenn man noch kein Schiff hat, weder die Länge, die Segelfläche noch den Jahrgang kennt.

Den Sprung von Null zur eigenen Yacht ist sehr gross. Hier wäre es wohl sinvoll gewesen mal etwas kleineres zu besitzen oder in einer Eignergemeinschaft zu sein. Immer nur bei Sailbox segelbereite Boote zu mieten hilft dem Segeln aber nicht dem Wohnen, Flicken und Leben auf einer Segelyacht. Schon nur einem Eigner regelmässig zu helfen hätte viel Wissen vermittelt.

Nicht gut war das Nachsenden von persönlichem Besitz. Dies dauerte auf Grund des Zolls extrem lange und war teuer. Das nächste mal würde ich zusätzliches Gepäck beim Flug aufgeben oder Sachen teilweise einfach neu kaufen.

Verbesserungspotential hätte es noch beim Lesen gegeben. Ich habe mir zwar einiges Wissen durch Fachliteratur angeeignet, aber mehr geht immer.

Ein Pluspunkt der mir bestimmt weiterhilft sind die Sprachen. Mein Englisch reichte aus um Schiffe anzuschauen, zu verstehen und danach auch um verschiedenste Papiere zu erledigen. Ich bin froh dass ich da keine allzuhohe Barriere hatte aber trotzdem habe ich noch viel dazugelernt. Vorallem nautische Ausdrücke. Hier in Kuba hilft natürlich auch das Spanisch weiter. Während in Havana die meisten etwas Englisch sprechen wird es hier in der Marina schon schwieriger. Ein grosser Vorteil ist dass man einfacher Preise verhandeln kann.

Crew: Der Plan war alleine zu Segeln. Dieser Plan hat sich geändert. Ich weiss nicht genau wie das läuft aber ich versuche es mal zu beschreiben: In meinem Leben kann ich Dinge tun die gut oder weniger gut für mich sind. Wenn ich etwas mache das weniger gut ist dann geschieht etwas damit ich wieder auf die gute Spur komme. In diesem Fall denke ich dass ich nicht bereit gewesen wäre alleine zu Segeln. Da ich mich dafür entschieden habe kam die Wendung dass ich Nicole traf und nun mit ihr reise. Manche würden hier wohl von Schicksal sprechen oder von Gott der einen durchs Leben führt. Andere von Zufall. Ich weiss es nicht und ich denke ich habe noch Zeit um solche Fragen zu beantworten. Was auch immer es genau ist, sei es auch nur Glück, ich bin dankbar dafür.

Alleine zu Segeln hat irgendwas. Aber: Wenn man etwas schönes erlebt dann teilt man das gerne. Und wenn es schlecht läuft ist man erst recht froh wenn man nicht alleine ist. Trotzdem weiss ich bereits jetzt das ich in ein paar Monaten für eine gewisse Zeit alleine unterwegs sein werde. Mal sehen ob ich dann bereit dafür bin oder ob wieder eine Wendung kommt.

Geld: Das Sparen war auch ein Teil der Vorbereitung. Hier ist es schwierig zu sagen ob das jetzt gut war oder nicht. Ich denke ich konnte mir ein sicheres Schiff leisten, dies war für mich wichtig. Mehr Geld wäre natürlich auch hilfreich gewesen. Aber das hätte dann wieder mehr Zeit benötigt und irgendwann wäre wohl zu spät gewesen. Somit war das wohl in Ordnung so. Mit mehr Geld hätte ich vermutlich ein grösseres / besseres Schiff gekauft mit mehr Ausrüstung und dann wäre der Unterhalt in die Höhe gegangen. Schlussendlich hätte dies dann wohl zu einem kürzeren Trip geführt. Jemand hat mir mal als Faustregel folgendes genannt: Jeder Schiffsmeter mehr verdoppelt die Unterhaltskosten. Was ich bis jetzt gesehen habe scheint das zu stimmen. Weil es ist nicht einfach nur 1 Meter länger. Es ist dann auch breiter, tiefer und höher. Es benötigt einen stärkeren Motor, grössere Segel, einen grösseren Anker, stärkere Kette, längere Schoten, robustere Fender, mehr Farbe für den Anstrich etc… Dies summiert sich dann extrem schnell.

Das Geldthema werde ich in Mexiko genauer anschauen. Dann gilt es zu überprüfen was mich der ganze Spass bis jetzt gekostet hat – ich habe nicht so genau hingesehen bis jetzt da ich einfach das Schiff klarmachen wollte – und wie lange ich für später planen kann. Unsere im letzten Beitrag erwähnten Nachbarn meinten dass man mit 1000 pro Monat relativ einfach durckommen sollte, es gäbe Cruiser welche es mit 500 schaffen. Wie das dann bei mir wird werden wir sehen.

Da wir nun beim Schiff sind: Ich denke ich habe ein gutes Schiff gekauft. Natürlich sind schon mehrere Sachen kaputt gegangen, aber grössere negative Überaschungen blieben aus. Die Grösse ist ideal. Ein etwas moderneres Boot wäre auch interessant gewesen, da Boote ab irgendwann 1980 eine vollwertige Achterkabine (Achtern steht für das Heck des Bootes und nicht für 8 Personen in einer Kabine) haben welche mehr Platz bringt. Vielfach aber auf Kosten des Stauraumes. So wie wir nun unterwegs sind scheint das Schiff ideal zu sein, kleiner wäre eng und grösser wäre schwieriger zum Manövrieren. Aber auch an das würde man sich gewöhnen. Wofür ich bislang noch keinen Platz sehe ist ein Kompressor um Tauchflaschen zu füllen. Ich denke auf diesen Luxus werde ich verzichten müssen. Eine Tauchausrüstung und Flaschen werde ich mir aber noch leisten.

Zum Schluss komme ich noch auf jeweils 2 Höhepunkte und zwei Tiefpunkte zu sprechen:
Ein Tiefpunkt war ganz klar das Auf Grund laufen. Dies schockiert mich immer noch. Ich wusste dass es irgendwann passieren würde (Es gibt 2 Arten von Seglern: Die welche auf Grund gelaufen sind und die welche auf Grund laufen werden) aber ich hätte es nicht so früh auf der Reise erwartet. Und irgendwie habe ich mir das eher so vorgestellt das wir vorsichtig in unsicheres Gebiet fahren, natürlich mit minimaler Fahrt und nicht mit Volldampf im Fahrwasser auf eine Sandbank zu laufen.. Dies war ein Schreckmoment der uns zum Glück mehr mitgenommen hat als das Schiff.
Das Pendant hierzu kam ebenfalls überraschend aus dem Nichts. Als wir unter dem Sternenklaren HImmel von Delfinen im Leuchtplankton besucht wurden. Dieser Moment war fantastisch, einfach unbeschreiblich.
Niederschmetternd war für mich die Zeit als die Yacht auf dem trockenen stand. Als ich warten musste, nicht wusste wann wir einwassern konnten und meine Geduld arg strapaziert wurde. Zum Glück ist diese Zeit vorbei.
Im Gegenzug fühle ich mich immer noch glücklich und frei seit wir hier in Kuba sind. Zwei Tage nach Ankunft, als ich langsam erholt war, begann ich zu begreifen dass ich meinen Traum wahr gemacht habe und nun auf dem Weg bin dies zu tun was ich mir so lange wünschte. Dies macht mich glücklich und auch etwas stolz.

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Eine Antwort auf Zwischenbilanz

  1. Nicole sagt:

    Hi, du kannst mehr als stolz auf dich sein. Bewundere deinen Mut. War schon länger nicht mehr auf deinem Blog und habe mir jetzt nochmals alles durchgelesen. Wahnsinn was du schon alles erlebt und gelernt hast. Ich hoffe wir können dich bald besuchen und wünsche dir und Nicole viele tolle und sichere Abendteuer. Passt auf euch auf. Alles liebe Nicole