6 Monate Rückblick / 6 months review

As usual, please scroll down to find the english text.

Ein Blick zurück nach den ersten 6 Monaten:

Wie schon nach 3 Monaten möchte ich nun wieder zurückblicken und beschreiben was gut und was schlecht war, was mich am meisten beeindruckt hat und welches die schwierigen Momente waren.

Ich bin immer noch glücklich über meine Entscheidung. Bis jetzt war es ein fantastisches Abenteuer und die Zeit nach Isla Mujeres ist nicht zu vergleichen mit der Zeit davor. Bis Isla Mujeres erschien alles schwierig, die Segelbedingungen waren eher anstrengend und es gab keine Bilderbuchinseln mit Schnorcheln und Erholen ausser vielleicht Isla selber. Zudem war ich oft sehr angespannt, machte mir Gedanken über Sicherheit und wir hatten nicht so viel Austausch mit anderen Cruisern. Am Tag des Ablegens in Isla kriegte ich vor Nervosität zwar nicht mal das Frühstück runter, dies stellte sich dann aber als unbegründet heraus und wir erlebten genau was ich mir ursprünglich gewünscht hatte und was viele von euch sowieso immer dachten: Paradies und Ferien.

Mit dem Schiff bin ich ebenfalls sehr zufrieden und ich erkenne länger denn je das Kent mit seiner Hilfe ziemlich viel zu einem erfolgreichen Start beigetragen hat. Um nicht zu sagen dass ich schon manch neidische Blicke erhalten habe weil ich ein Boot in diesem Zustand und Ausrüstung für relativ kleines Geld gekriegt habe, plus natürlich die Zeit welche Kent investiert hat um mir das Schiff und die Systeme zu erklären. Es scheint aussergewöhnlich zu sein dass sich ein ehemaliger Eigner so einsetzt. Irgendwann in Belize habe ich dann gemerkt dass das Boot nun auch gefühlsmässig 100% mir gehört und sich nicht mehr wie etwas gekauftes, fremdes anfühlt.

Nach 6 Monaten (und den ersten 1000 nautischen Meilen auf eigenem Bug) kann ich sagen dass der Start in mein Abenteuer gelungen ist. Es ist erst der Start da ich gemerkt habe wie komplex der ganze Spass ist und wieviel das ich jeden Tag lerne und erfahrene Cruiser immer wieder bestätigen dass auch sie täglich neues lernen.

Finanziell darf ich sagen dass man sich so etwas absolut leisten kann. Natürlich habe (und hatte) ich kein eigenes Auto und besitze kein Haus oder eine Wohnung, aber ich finde der Preis für das was ich hier erlebe ist sehr fair. Meine finanzielle Situation ist für die nächste Zeit noch abgesichert und es gibt mittlerweile nicht nur Ideen sondern Pläne wie ich das Abenteuer verlängern kann.

Ein wichtiger Punkt in den letzten 6 Monaten ist Nicole. Als mich Mike in Belize gefragt hat was das Beste an meinem neuen Leben sei habe ich ohne zu überlegen mit Nicole geantwortet. Sie tut mir jedoch etwas leid, war sie doch bei allen anstrengenden und schwierigen Situationen dabei und hat dann das Bilderbuch Segeln von Mexico durch Belize nach Guatemala verpasst. Glücklicherweise kommt sie im bald wieder und nach der Hurricane Saison werden wir dann hoffentlich diese traumhafte Inselwelt zusammen erkunden und geniessen können. Ohne Nicole wäre diese Reise vermutlich ganz anders verlaufen, ich bin sehr froh sie kennengelernt zu haben. Da sie nun auch wieder zurückkommt scheine ich auch wenigstens etwas richtig gemacht zu haben.

Wir haben mittlerweile auch Freunde auf anderen Schiffen und fühlen uns integriert in der Cruisinggemeinschaft. Alle helfen sich gegenseitig, wenn ein Boot nach ein paar Tagen nicht auftaucht wird nachgefragt und wir haben mehrere Crews von Mexico hier in Guatemala wieder getroffen. Dies ist etwas das ich so nicht kannte aber als sehr positives entdeckt habe. Auf der anderen Seite habe ich leider den Kontakt zu ein paar Freunden in der Schweiz verloren. Es ist erstaunlich wie einfach es war sich ein mal pro Woche für ein Bier zu treffen und wie schwierig es scheinbar ist einen Skype Anruf in 6 Monaten hinzukriegen. Dies sind jedoch einzelne Fälle und dank Skype, WhatsApp und Facebook bin ich in regelmässigem Kontakt mit meinen Freunden in der Schweiz.

Ein paar Mal machte ich mir auch Gedanken ob dies wirklich das ist was ich will. Eine tägliche Routine, einigermassen Sicherheit, eine planbarere Zukunft… Diese Punkte erscheinen mir nun viel wertvoller als vorher, als ich dies alles hatte. Andererseits gibt es so viel zu erleben und fast jeder Tag hat eine Überaschung bereit. Ich habe für mich entschieden dass die oben genannten Punkte im Moment schwächer wiegen als das Abenteuer und somit stimmt es für mich.

Etwas das ich total unterschätzt habe ist
1. Die Verantwortung die man als Schiffsführer übernimmt und
2. Wie stark mich das belastet
Ich habe gelernt dass “Ein Skipper schläft nicht, er ruht nur” nicht nur ein guter Spruch von einem Kapitän ist. Diese Aussage trifft den Nagel auf den Kopf. Sei es unterwegs oder vor Anker, man ruht sich zwar aus, befindet sich jedoch immer in einer Art Alarm- oder Wachzustand. Man beginnt das Schiff zu fühlen und filtert alle nicht normalen Geräusche heraus. So merkt man rasch wenn etwas nicht in Ordnung ist. Dies kann Regen sein und man muss seine Luken schliessen, dies kann aber auch ein aufziehendes Gewitter sein, ein Winddreher der Aufmerksamkeit für den Ankerhalt benötigt. Mittlerweile kann ich mich trotzdem ziemlich gut erholen. Eine höhere Stufe dieser Wachsamkeit erlebt man auf Nachtfahrten. Dies ging soweit dass ich erwachte und meiner Crew sagen konnte dass sie falsch steuern bevor sie es per Kompass oder GPS bemerkt hätten. Natürlich habe ich immer im Cockpit geschlafen und da bekommt man den Wind, die Krängung und alles eher mit. Das Popometer mit dem man das Schiff fühlt, funktioniert selbstverständlich nur wenn man seine Sinne nicht benebelt, deshalb ist Alkohol während dem Segeln tabu.

Hier noch ein paar Höhepunkte bis jetzt:
- Die kristallklaren, türkisfarbenen Gewässer von Mexiko und Belize
- Lobster im Überfluss
- Nachtfahrten in besten Segelbedingungen und unter genialem Sternenhimmel
- Die Gemeinschaft unter den Cruisern
- Aufstehen, 5 Schritte gehen und ins Meer springen
- Tauchen in den Zenoten

Schreckhöhepunkt:
- Bullenhai beim Schnorcheln in Cayo Norte

Schwierige Momente:
- Seit wir in Isla angekommen sind war es eigentlich nur der Moment als Nicole abreiste.

Um die Reise in zwei Sätzen zusammenzufassen: Seit Februar befinde ich mich in einem Steigerungslauf in dem ich immer mehr lerne, erlebe und geniesse. Jeder Tag ist besser als der vorangegangene.

Im nächsten Artikel schreibe ich über den 2 wöchigen Landausflug in Guatemala, die Pläne bis zum Ende der Hurricane Saison und über die momentanen Ideen für die Zeit danach.
Falls ihr irgendwelche Anregungen, Bemerkungen oder Fragen habt könnt ihr euch gerne melden oder auch einen Kommentar schreiben.

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Looking back after the first 6 months:

Alike the review after 3 months (only available in german) I want to look back ad describe what was good, what was bad, what impressed me most and which where the hard times.

I am still very happy about my decision to leave and go on this adventure. It was great till now and the time after Isla Mujeres is no comparison to the time before. Till Isla, everything seemed difficult, the sailing conditions where exhausting and there where none of the beautiful islands to snorkel and relax beside maybe Isla itself. Furthermore I was often very tensed, had a lot of thoughts about safety and we did not have that much exchange with fellow cruisers. The day we left Isla Mujeres, I wasn’t able to eat my breakfast because of stress and nervosity but this seemed to be arbitrary. We finally experienced what I was wishing for and what a lot of you anyway thought we were doing the whole time: Paradise and holidays.

I’m really happy with the boat and I realize more than ever how much Kent helped me to have a successfull start. Not to say that I got a couple envious looks because I got the boat in this shape and all the equipment for quite little money. Of course the time Kent spent to help me, teach me and explain all the systems is priceless. It seems to be outstanding that a previous owner does this. At one point in Belize I realized that the boat now also belongs to me by the way I feel about it. It did not feel like something foreign anymore, not like something I only bought, but like something I own, something that is completely mine now and something I identify myself with.

After 6 months (and the first 1000 nautical miles on my own boat) I can say that the start in my adventure was a success. I call it only the start because I noticed how complex this whole boating thing is, how much I learn every day and fellow cruisers that are doing this since years or even decades tell me that they also learn new things daily.

An adventure like this is absolutely affordable. Of course I do not (and never had) a car, I do not possess a house or an appartment but I think the price for what I can experience here is really fair. My financial situation for the next time seems to be ensured and by now I do not only have ideas but plans how I can extend my journey.

A really important point of the last six months is Nicole. In Belize, Mike asked me what is the best thing about my new life and I answered without hesitation that it is Nicole. However, I feel bad for her because she did all the exhausting and difficult parts with me and then missed out on the beautiful sailing we had from Mexico through Belize and to Guatemala. Fortunately she is coming back soon and after the hurricane season we can hopefully explore and enjoy this dreamlike island-paradise together. Without Nicole this trip would probably be very different and I’m really glad that I met her. Since she is coming back I think that I did at least something right.

By now we also have friends on other boats and we feel well integrated in the cruising community. Everyone is helping each other, if a boat does not show up after a couple days people start asking around to find them and we met some crews from Mexico who are here in Rio Dulce as well. This is something I did not know but it is a very positive surprise. On the other side I lost contact with some friends back at home. It is astonishing how much time some people had to go for a beer like once a week back at home and now it is not possible to have a single Skype call in half a year. Yet those are isolated cases and thanks to Skype, WhatsApp and Facebook I’m still in touch with most of my friends back in Switzerland.

A couple of times I asked myself if this is really what I want to do in my life. A daily routine, some kind of safety, be able to schedule your future… Those points appear now much more valuable than before, when I had all of that. On the other hand there is so much to experience and almost every day comes with a surprise. I decided for myself that the reasons mentioned above weigh less than the adventure and therefore I’m fine how it is.

Something that I completely underestimated is
1. the responsibilty you have as a Captain and
2. how much this affects me.
I learned that “A Skipper does not sleep, he only rests” is more than a cool saying of a captain. This just nails it. Either underway or at anchor, one can rest but the body always stays in some state of alert or guard. You start feeling the boat and filter every strange noise in order to realize and wake up quickly if something is going on. This can be a little thing like rain and you have to close your hatches, but this can also be a thunderstorm coming or a change of direction of the wind and you need to pay attention if your anchor holds. By now I learned to rest pretty well. Sailing overnight brings this state of attention to another level. At one point I was waking up and could tell my crew that they are steering wrong before they even realized it with the help of the compass and GPS. Of course I was sleeping in the cockpit where you feel the wind and the angle of heeling of the boat. Needless to say that this only works if your senses are not somehow affected. This is why alcohol is a no-go while sailing.

Now find a short list of highlights till now:
- The crystal clear and turquoise waters of Mexico and Belize
- An abundance of lobster
- Nightsails in best sailing conditions under a marvellous sky full of stars
- The community amongst the cruisers
- Wake up, get up, walk 5 steps and jump into the ocean.
- Diving in the Cenotes

A scary highlight:
- The bullshark while snorkeling in Cayo Norte

Difficult moments:
- Since arriving in Isla, the only hard moment was the day Nicole left.

To put my journey in a nutshell: Since February the intensity of what I learn, exprience and enjoy is increasing. It feels like every day is better than the one before.

In the next article I’ll write about our two week inland trip in Guatemala, the plans till the end of the hurricane season and about the ideas we have for the time after that.
If you have any questions, remarks or suggestion, feel free to contact me or write a comment.

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Eine Antwort auf 6 Monate Rückblick / 6 months review

  1. Nicole sagt:

    Nicole’s sind halt einfach tolle Frauen ;-)