Überfahrt / Passage

Reisevorbereitungen

Bald sollte es weitergehen mit unserer Reise, die Divemaster Ausbildung kam zu ihrem Ende. Unser nächstes Ziel ist Kuba, Nordöstlich von Roatan. Nicole machte mir klar dass sie diesen Trip (450nm, 4-5 Tage) nicht nur zu zweit absolvieren wird. Die Optionen waren also ein Flug für Nicole nach Kuba und Einhand dorthin Segeln oder eine zusätzliche Person als Crew zu finden. Über eine Backpacking Seite auf Facebook wurden wir fündig. Es meldete sich eine Nicole, ebenfalls Amerikanerin und vom gleichen Jahrgang wie „meine“ Nicole. Nach einem Skypegespräch hatte ich ein gutes Gefühl und sie buchte einen Flug nach Honduras und einen Weiterflug von Kuba. Wegen einer weiteren Front gingen wir zusammen mit Ka’imi wieder für ein paar Tage nach Jonesville Bight. Da unser Schiff für die nächste Etappe noch nicht bereit und unsere Crew noch nicht dabei war konnten wir diese Front nicht nutzen um nach Osten zu segeln. Dies wäre sehr hilfreich gewesen um einen besseren Winkel nach Kuba zu haben. Deshalb gings zurück nach West End wo wir das Schiff vorbereiteten. Die neue Nicole traf ein und die Warterei auf ein gutes Wetterfenster begann. Diese Zeit nutzten wir intensiv um zu Tauchen, nun mit unser eigenen Ausrüstung, Tauchen wo man will, wann man will und wie lange man will. An einem Ort wie West End gibt es vermutlich nichts besseres als das. Der Wind war für ein paar Tage relativ stark und sobald sich ein nachlassen abzeichnete waren wir bereit. Proviant war an Bord, Wasser und Treibstoff gebunkert, alle Reparaturen durchgeführt.

Wir verliessen Roatan an einem Donnerstag morgen, wir wussten dass der erste Tag die schwierigsten Bedingungen brachten. Unser Ziel war Cayo Largo welches in einem Winkel von 41 Grad zu erreichen wäre. Der erste Tag brachte starken Wind von 20-25 Knoten, etwas mehr in Böen und wir konnten nur Nordwärts Segeln, also 41 Grad in die falsche Richtung. Der Wind drehte während des Tages immer wieder von Nordost nach Südost und zurück aber wirklich nach Osten kamen wir nicht. Der Schwell war etwas weniger als prognostiziert aber immer noch genug um alle paar Minuten eine Welle über den Bug zu erhalten. An diesem ersten Tag gabs auch immer wieder Regenschauer.

Die erste Nacht verlief gut, wir liefen 5-6 Knoten und wurden von zwei 300+ Meter langen Kreuzfahrtschiffen überholt. Eines davon kam bis auf eine Seemeile heran aber es bestand keine Gefahr. Ich erhielt auch eine Lektion in Segeltrimm, als ich mein Reff für die Nacht einband wurde unser Winkel besser, unsere Geschwindigkeit grösser und das Schiff natürlich aufrechter und stabiler. Weniger ist manchmal mehr.
Der Unterschied zu zweit oder zu dritt Nachtwache zu gehen ist immens. Zu zweit ist man mehr wach als man schläft, zu dritt ist es umgekehrt. Auch der neue Autopilot den wir in Rio Dulce installiert haben war Gold wert. Mehr oder weniger die ganze Strecke steuerte er und wir mussten nur Ausguck halten und Systeme kontrollieren. Was für eine Erleichterung im Vergleich zum ersten Jahr als wir von Florida nach Guatemala über 1000 Seemeilen per Hand steuerten.
Unsere Crew wurde in der ersten Nacht Seekrank, ging aber trotzdem ihre Wache. Als ich ihr dann spezielle Armbänder (für Seekrankheit oder auch Übelkeit bei Schwangerschaft) gab besserte sich ihr Zustand rasch.

Die Bedingungen am zweiten Tag waren kaum besser. Immer noch starker Wind aber da wir mit verminderter Segelfläche unterwegs waren war es angenehmer. Leider drehte der Wind nicht wie prognostiziert mehr nach Süden und unser Winkel wurde nicht besser. So segelten wir weiterhin hart am Wind über den Ozean. Ab dem zweiten Abend waren wir müde genug um sehr rasch einzuschlafen wenn wir nicht auf Wache waren und es ergab sich ein Rhythmus welche das Leben n Bord einfacher machte.

Der dritte Tag verlief ähnlich ausser dass der Wind nur noch 17 bis 20 Knoten betrug. Ich wurde langsam ein bisschen nervös da alles funktionierte, nichts nenneswertes ging kaputt oder fiel aus. Traurig war ich darüber natürlich nicht aber etwas eigenartig fühlte es sich schon an und der Gedanke dass bald etwas grösseres passieren musste machte sich breit. In der Nacht sahen wir dann einen Tanker der ziemlich genau auf uns zu hielt. Übers AIS konnte ich das Schiff identifizieren, sah seinen Kurs und Geschwindigkeit und sah dass wir relativ nahe kommen würden. Übers Funk nahmen wir Kontakt auf und trotz später (oder sehr früher) Uhrzeit bekamen wir freundlich Antwort. Ich fragte ob er uns sehen würde und er bestätigte dies. Er fuhr in sicherem Abstand vor uns durch und ich konnte mich wieder schlafen legen.

Am vierten Tag erwarteten wir Wind von Südosten und nur noch um die 10 Knoten. Das Wetter hatte seinen eigenen Plan und machte weiter mit 15-20 aus NE oder E. Statt den geplanten 41 Grad segelten wir im Durchschnitt 19 Grad. Wir waren über 120 Meilen zu weit im Westen. Dies brachte ein neues Problem, wir konnten nur in Cabo San Antonio an der Westspitze Kubas oder dann in Cayo Largo einklarieren. Nach Westen gehen wäre simpel und angenehm gewesen, aber dann hätten wir später wieder einen längeren Weg nach Osten gehabt. Ich entschied mich fürs Inselspringen entlang der Nordseite der Isla de la Juventud und so gabs nach 4 Tagen Offshore Segeln noch 5 Tagesetappen bis wir nach Cayo Largo kamen. 2 Nächte verbrachten wir an der Nordküste der Isla de la Juventud, in Ensenada de los Barcos und in der Nähe von Nueva Gerona. Dann gings durch den Pasa Quitasol runter zu Cayo Campos wo wir nach über einer Woche wieder mit einem anderen Menschen sprachen. Von Cayo Campos gings auf der Innenseite des Riffs nach Canal de Rosario und dann eine letzte Etappe auf der Aussenseite bis nach Cayo Largo.

Während der ganzen Reise hatten wir keine nennenswerte Probleme. Das Schiff war sicher und vollbrachte in meinen Augen eine gute Leistung. Obwohl es raue Bedingungen waren konnten wir fast die ganze Strecke unter Segel absolvieren. Einzig die Einfahrt zur Isla de la Juventud motorten wir während etwa 5h um nicht in ein Gewitter zu geraten. Natürlich waren wir am Ende etwas geschlaucht da wir ja alles hart am Wind segelten, auch im Schiff herrschte dementsprechend Chaos. Während den Tagessegeletappen konnten wir uns jedoch erholen und waren frisch als wir in Cayo Largo ankamen. Was uns etwas überraschte war die nicht Anwesenheit von maritimen Leben. Keine Delfine, keine Schildkröte, nichts ausser ein paar fliegenden Fischen. (Einer davon landete auf meinem Fuss als ich im Cockpit schlief). Auch überraschend, aber im positiven Sinne ist die Menge an Abfall. Sieht man doch meistens immer wieder verschiedenste Sachen und vor allem Plastik im Meer treiben, so haben wir auf diesem Trip praktisch nichts davon gesehen.

Die Kommunikation während des Tripps erfolgte übers Kurzwellenfunk wo wir mit Freunden aus der Tortugal Marina welche noch in West End waren täglich zwei mal eincheckten. Sie freuten sich von uns zu hören und wir waren froh jemandem unsere Position mitteilen zu können. Um dieser Gemeinschaft etwas zurück zu geben habe ich mich nun gemeldet um am Mittwoch die Moderation des Nordwestkaribischen Netzwerks zu übernehmen.

Der Unterschied zum letzten Jahr ist riesig. Wir bereisen Kuba nun mit einem gedruckten Cruising Guide der um einiges besser ist als die, obwohl neuere, PDF Version welche wir letztes Jahr erhielten. Auch haben wir nun Navionics auf einem Smartphone welches bessere Karten hat als unser Garmin Chartplotter und der Wetterbericht von Chris Parker gehört nun auch fest zu unserem Alltag. Zusammen mit der täglichen Kommunikation zu anderen Cruisern macht dies alles viel mehr Spass, wir sind um einiges relaxter und können es in vollen Zügen geniessen. Die ersten Stopps in Kuba brachten uns Gewässer in den schönsten Tönen von Blau bis Türkis und Ankerplätzen wo man den Anker im Kristallklaren Wasser vom Bug aus sehen kann. Da wir bis dahin noch nicht einklariert haben begnügten wir uns mit Schwimmen (bzw. Waschen) ums Boot und warten mit dem Schnorcheln und erkunden von einsamen Inseln und leeren weissen Stränden noch ab.

Da dass Segeln rau war haben wir auch aufs Fischen verzichtet. Solange es zu unangenehm ist um unterwegs zu kochen mag ich nicht noch zusätzlich Arbeit mit Fischen generieren. Man könnte auch sagen dass ich schlicht zu faul bin. Natürlich freue ich mich aber darauf mit meinem Speer unter Wasser zu gehen um dort Beute zu machen. Einen Lobster in ein Abendessen zu verwandeln ist halt schon um einiges einfacher als einen Fisch ausznehmen und zu filetieren.

Dies ist meine Sicht des Trips, er war gut, sicher, das Wetterfenster war gut ausgewählt und das Segeln war zwar eher sportlich als angenehm aber wir kamen rasch vorwärts (nur in die falsche Richtung). Eine evtl. andere Sicht der Dinge wird uns Nicole in ihrem Gastbeitrag schildern.

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Preparations for the passage

Soon we should continue with our journey, the divemaster training arrived at its end. Our next goal was Cuba, northeast of Roatan. Nicole explained to me that she was not doing this trip (450nm, 4-5 days) with just the two of us. So the options were to go single-handed and Nicole goes by plane or finding another person as a crew. On a backpacking facebook site we found someone. Her name was Nicole as well, also from the United States and the same age as “my” Nicole. After a skype call I had a good feeling and she booked a flight to Roatan and another one to leave Cuba. Because there was another front coming we left again together with Ka’imi to Jonesville Bight for a couple days. Because the boat was not ready and the crew not there yet we couldn’t use this front to go east, to Guanaja for example. This would have been very helpful because then we would have had a better angle to sail to Cuba. So we went back to West End and got ready there. The other Nicole arrived and we waited for a weather window. During those days we did a lot of diving, now with our own equipment. Diving where you want, when you want and as long as your want. I think there is barely anything better than that, especially in a place like West End. The wind was quite strong for a couple days but as soon as it weakend we were getting ready. Provisioning was done, we had water and fuel, all repairs done.

Passage

We left Roatan on a Thursday morning and we knew that the first day would bring the most difficult conditions. Our goal was Cayo Largo for which we had to sail an angle of 41 degrees. During the first day we had 20-25 knots, slightly more in gusts and we were only able to sail straight north, which is 41 degrees wrong. The wind shifted from Northeast to sligthly South of East and back to Northeast, but we were never really able to sail East. There was less swell than predicted but still enough to have waves coming over the bow every once in a while. During this first day we also got a couple rainshowers.

The first night went well, we did 5-6 knots and saw two 1000 feet Cruiseliners. One of them came as close as one nautical mile but it was not a problem. I learned something about trimming when I put the reef in for the night and was surprised that we sailed a better angle, faster, more upright and more stable. Sometimes less is more. The difference for the night watches is huge if you are 2 or 3 people. With only 2 you sleep less than the time on your watch, with 3 it is opposite. Also the new autopilot was a huge help and did a great job. We did most of the distance by autopilot and only had to watch out and check the systems. What a difference compared to the first year when we sailed from Florida to Guatemala, more than 1000 nautical miles by hand. Our new crew got seasick during the first night but still did her watch. I gave her sea bands (wristbands with a pressure point that help against sickness) and she got better.

The conditions on the second day were similar. Still strong winds but since we sailed with even smaller sail area than the day before it was more comfortable. Sadly the wind did not follow the forecast and did not shift more to the south. So we were still sailing close hauled over the ocean. Starting on the second evening we were tired enough to fall asleep very quickly when we were not on watch and we got into a rhythm that made the life on board easier.

The third day was no different except that the wind weakened to 17-20 knots. I got a little nervous since everything was working, nothing major broke. I was not sad about that but it felt a bit weird and I got scared that soon something big would happen. At night we saw a big tanker that was heading exactly in our direction. With my AIS I was able to identify him, saw his course and speed. I realized that we would get pretty close. I took my radio and called him. Even though it was very late (or very early) we got a very polite answer. I asked if he saw us which he confirmed. He passed in a safe distance and I could go back to sleep.

On the fourth day we expected wind from Southeast and only around 10 knots but the weather had it’s own plan and went on with NE or E winds, 15-20 knots. Instead of the planned 41 degrees we sailed 19 (on average). We were over 120 nautical miles to far to the west. This brought a new problem: We could clear in in Cabo San Antonio (on the western tip of Cuba) or in Cayo Largo. It would have been easy to sail to Cabo San Antonio but then we would have to motor all back to the east so I decided to go to Cayo Largo. Along the northern coast of the Isla de la Juventud we did some stops, some islandhopping till we arrived in Cayo largo, after 4 days offshore and 5 days of sailing along the coast. We anchored in Ensenada de los Barcos, then close to Nueva Gerona, went through the Pasa Quitasol down to Cayo Campos were we finally met another person to talk to, after more than a week. From there we did one more stop in the Canal del Rosario and then we finally arrived in Cayo Largo. Since we did not clear in before we were never able to go on shore till we got to Cayo Largo.

During the whole passage we did not have any significant problems. The boat was safe and performed well. It was rough conditions but we were able to do almost the whole distance under sails. Out of 96 hours we used the engine during 5 hours, in order not to get into a thunderstorm close to Isla de la Juventud. Of course we were very exhausted in the end because we only sailed close hauled for a couple days. During the daysails we were able to recover and felt ok when we made landfall in Cayo Largo. We were a little surprised that we did not see any marine life. No dolphins, no turtles, nothing except flying fish. One of them landed on my foot while I was sleeping in the cockpit. Also surprising but very positively was the amount of garbage. While you often see a lot of things drifting in the ocean, mostly plastic, we did not see anything during this trip.

The communication during the passage worked well with our Single Side Band Radio. Twice a day we were able to reach some friends from the Tortugal Marina to tell them our position and a short report. They were happy to hear from us and we were happy to tell someone that everything was fine. To give this great community something back I offered to take over the wednesday on the Northwestcarribean net and became a net controller.

The difference to the last year was huge. Now we cruised in Cuba with a printed version of a cruising guide which was a lot better than the, although newer, pdf version we got last year. In addition we got Navionics charts on a smartphone which has better charts than our Garmin chartplotter and the weather forecast from Chris Parker became an important part in our daily routine. Together with the scheduled communication with the other cruisers it was a lot more fun and we were able to enjoy it to the fullest. The first stops in Cuba brought us waters in the most marvellous hues of blue and turquoise and anchorages were you can watch your anchor easily because the water is that clear.

Because sailing was a bit rough we did not fish. As long as it is not comfortable enough to cook under way I don’t really want to have more work by catching fish. One could also say that I’m simply to lazy. Of course I’m looking forward to take my spear underwater and get some seafood. But turning a lobster into a dinner is a lot easier than cleaning a fish and cutting filets.

This is my view of the passage. It was good, safe, the weather window was a good choice and the sailing was a bit more sporty than comfortable but we went fast (in the wrong direction). A maybe different view we can read soon in Nicoles guest entry.

Pictures by Nicole v.D.

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