Nueva Gerona, Maria la Gorda, Cabo San Antonio & Mexico


Der Hafen in Nueva Gerona war etwas traurig. Wir haben neben Fähren an einem hohen hässlichen Betonpier festgemacht, gleich neben einem kleinen Segelschiff. Das Wasser war grün, trüb, verschmutzt und hatte einen ziemlichen üblen Geruch. Trinkwasser und Strom gabs natürlich nicht, da es ja keine offizielle Marina ist. Dennoch mussten wir die für Kuba üblichen Formalitäten erledigen und hatten Besuch von einem offiziellen. Nueva Gerona ist für kubanische Verhältnisse sehr hübsch. Die eine grosse zentrale Strasse ist hauptsächlich Fussgängerzone mit vielen Bänken, Kunst, Farben, Dekorationen und etlichen Geschäften. Hier haben wir uns aber das erste mal etwas komisch gefühlt. Es waren wenig bis keine Touristen unterwegs und die Einheimischen haben uns angestarrt so dass wir uns nicht willkommen fühlten. Die wenigen die uns angesprochen haben wollten uns ihre Dienste anbieten, uns zu Restaurants führen oder einfach nur Geld. Offenbar kennt man hier Tourismus, aber so wenig dass man die Chance nutzen will. Ganz eine andere Erfahrung als noch bei den isolierten Inseln wo man einfach gastfreundlich war. Diesel mussten wir von einer Strassentankstelle holen und als wir zurück kamen mussten wir im Hafen einen Kaufsbeleg vorzeigen, als Beweis dass wir das nicht auf dem Schwarzmarkt gekauft haben. Einkaufen konnten wir auch aber es gab nicht sehr viel, auch Gemüse auf dem Markt war eher spärlich.
Wir waren nicht traurig nach 2 Nächten mit Hitze und üblem Geruch aus Nueva Gerona auszulaufen und segelten Richtung Westen. Tatsächlich geschah was keine Vorhersage wusste: Wir kriegten Wind aus Westen, genau auf die Nase. Glücklicherweise hat er dann in der Nacht wieder in die normale Richtung gedreht und wir mussten nicht zu viel mit Motor unterwegs sein. Etwas weniger als 24h später kamen wir in Maria la Gorda an. Ein abgeschiedenes Resort, bekannt zum Tauchen. Mehrmals wurde uns schon abgeraten das Buffet in diesem Hotel zu besuchen, es sei einfach schlecht. Direkt vor dem Strand gibt es Bojen, welche wir benutzen konnten. Es war etwas speziell, man segelt bis zweihundert Meter an den Strand und kriegt keine Rückmeldung vom Echolot, mehrere hundert Meter tief. Und dann plötzlich ist man in 10 Meter tiefem Wasser, was man natürlich schon an der Farbe erkennen konnte. Der schmale Streifen zwischen Strand und Kante in die Tiefe ist übersäht von Riffen, aber tief genug um zu navigieren. Festgemacht an der Boje waren es dann 4-6 Meter Wassertiefe, abermals kristall klares Wasser und Korallen direkt unter dem Schiff, ein fantastischer Platz. Kurz die Papiere gemacht, das Hotel erkundet und den Rest des Tages geschnorchelt. Wir entschieden uns dann gleich 2 Nächte zu bleiben um noch einen Tauchgang zu absolvieren. Vom Tauchshop wurden uns mehrere Tauchplätze empfohlen, nicht weit von unserem Boot weg. Die verschiedenen angestellten konnten sich jedoch nicht einigen welches jetzt der beste wäre und so haben wir einfach einen gewählt. Wir haben einen einfachen aber sehr schönen Tauchgang absolviert, mit Riff, Sand, Canyons, Tunnels und kleinen Höhlen. Für 2 Dollar pro Stück haben sie dann auch unsere Tanks aufgefüllt. Ich war etwas traurig dass wir dort nicht mehr Zeit verbringen konnten, es hat mir da sehr gut gefallen.
Als nächstes stand eine Tagesetappe nach Cabo San Antonio an. Eigentlich wollte ich nicht da hin, aber wir hätten auf alles zwischen Cayo Largo und hier verzichten müssen wenn wir schon vorher ausklariert hätten, nur diese zwei Orte sind internationale Häfen und so einen muss man anlaufen bevor dass man das Land verlässt. In Cabo San Antonio hat sich unser Kreis geschlossen, das erste Mal das wir wieder an einen uns schon bekannten Ort kamen. Es hat sich nicht verändert. Immer noch 4 kleine Gebäude, einen geschlossenen Tauchshop, eine handvoll Angestellte und keine Touristen. Sowohl in Maria la Gorda als auch in Cabo San Antonio kriegten wir kein Trinkwasser, da anscheinend die Pumpe defekt war. Diesel gabs erst auch keinen, erst durch einen nichtoffiziellen Umweg kriegte ich dann wenigstens 20 Liter. Rein rechnerisch sollte das nach Isla Mujeres reichen…
Wir kamen am späten Nachmittag in Cabo San Antonio an und da es uns dort nicht gefiel und ein Nordwind aufkam, vor welchem man am Pier nicht geschützt ist haben wir uns entschieden die Papiere zu machen, duschen, kochen und auszulaufen. Statt zwei Tage und eine Nacht sollten es dann 2 Nächte und einen Tag auf See werden. Es war kaum Wind und wir fuhren unter Gross und Motor, zuerst südlich mit dem Gegenstrom und dann Westlich, quer in den Golfstrom. Die erste Nacht verlief ohne Probleme, der nächste Tag vorerst auch. Es hatte ziemlich viel Seegras und wir merkten wie das Schiff plötzlich abbremste und nur noch knapp über 2 Knoten machte. So machte ich mich bereit und sprang mitten auf hoher See hinein um den Propeller zu kontrollieren. Tatsächlich war alles voller Seegras und auch etwas Plastik. Kurz darauf konnten wir wieder mit normaler Geschwindigkeit weiterfahren. In der Nacht begann dann der Motor Probleme zu machen. Erst riss ein Riemen und ich kämpfte eine ganze Weile mit dem Ersatzteil, da dieser eine Nummer kleiner war. Einen Riemen zu ersetzen ist ja eigentlich ein Kinderspiel, aber übermüdet, im schaukelnden Schiff am heissen Motor und dann passt es nicht… Ich hatte schlussendlich auch mit mir selber zu kämpfen aber irgendwie gings dann. (Später in Mexiko habe ich mir das nochmals angeschaut und weiss nun was ich anders machen muss. Obwohl dies nicht das erste Mal war das ich den Riemen wechseln musste). Später in der Nach begann dann der Motor zu stoppen. Wechsel vom Dieselfilter, kein Problem und weiter. Doch plötzlich trat das Problem immer wieder auf und wir saugten Luft an. Ich dachte dass uns der Diesel bald ausgehen würde und wurde etwas nervös. Immer wieder habe ich die Luft aus dem System gelassen und auch unsere Treibstoffreserve eingefüllt. MIttlerweil war es 3 Uhr morgens und ich merkte dass wir ziemlich neben unserem Kurs waren. Das Boot zeigte zwar in Richtung 260 Grad, etwas südlich von West, aber gemäss GPS fuhren wir einen Kurs von 320 Grad über Grund. Wir waren immernoch mit Gross und Motor unterwegs und konnten trotzdem unseren Kurs nicht halten da die Strömung so stark war. Später als der Motor dann wieder aussetzte versuchte ich mit Genua und Gross das Schiff wenigstens ein bisschen in die richtige Richtung zu bringen aber ich hatte keine Chance. Mit 5 Knoten Wind konnte ich in jede Richtung probieren, im Endeffekt zeigte das GPS über 4 Knoten genau nach Norden an.
Ich wurde langsam nervös da die Maschine nicht länger als 20 Minuten am Stück laufen wollte. Obwohl wir zu beginn erst südlich segelten waren wir wegen der Strömung schon wieder weiter nördlich als unser Ziel, die Isla Mujeres. Wir mussten nur noch 16 Meilen zurücklegen, ca. 3h bei normaler Fahrt aber es sah langsam so aus als würden wir ohne Treibstoff in den Golf von Mexiko getrieben. Wir diskutierten schon die Optionen falls wir es nicht aus der Strömung schaffen sollten. In Gefahr waren wir nicht, mit dem Proviant hätten wir auch bis nach Florida, Texas oder wo auch immer segeln können, es hätte nur ein paar Tage gedauert und das wollten wir nicht, besonders da ja meine Eltern am nächsten Tag in Mexiko landen würden. Ich sah auf der Seekarte dass wir kurz vor “seichterem” Wasser von nur noch ein paar hundert Meter waren. Ich hoffte dass wir dann auch weniger Strömung hatten und liess mir nochmals was einfallen um die Maschine länger am laufen zu halten. Dies klappte und siehe da, kaum waren wir eine halbe Meile weiter nahm die Strömung ab und wir konnten plötzlich wieder unseren Kurs von mittlerweile 250 Grad beibehalten. Es wurde langsam hell und wir sahen die ersten Fischerboote von Isla entgegen kommen. Auch dies war ein gutes Gefühl, Hilfe, falls nötig, wäre nahe gewesen. Es war ein gutes Gefühl die Insel bald zu sehen und etwas später den Anker fallen zu lassen. Zum zweiten Mal von Cabo San Antonio nach Mexiko und zum zweiten Mal war es eine sehr strapazierende Reise. Wie wir später von 2 anderen Schiffen erfahren sollten war es aber nicht nur für uns schwierig, die Strömung stärker als sonst und ohne Wind ist man relativ machtlos. Beim Tanken haben wir dann bemerkt dass wir noch gut einen Drittel voll hatten. Nächster Schritt um das Problem zu finden war dann das ersetzen aller Treibstoffleitungen. Seitdem ist das Problem nicht mehr aufgetreten, aber seitdem gabs es auch keine längere Etappe mehr.

Obwohl wir doch ziemlich müde und mental etwas angeschlagen waren freuten wir uns sehr in Isla zu sein. Besonders als wir bekannte Stimmen im Funk hörten und auch uns bekannte Boote antrafen. Dies hob die Stimmung ziemlich rasch und auch die Vorfreude meine Eltern am nächsten Tag zu sehen war gross.

————————————————————————————————————————

Nueva Gerona, Maria la Gorda, Cabo San Antonio & Mexico

The harbor in Nueva Gerona is a little sad. We tied up next to some ferrys on a high, ugly concrete dock. Next to us was also another small sailboat. The water was green, murky, very dirty and had a bad smell. Since it was not an official marina there was no drinking water and no electrical power but of course we had to do the typical Cuban paperwork including a visit from a guarda frontera man. Nueva Gerona is very pretty. It is newer, more modern than other places in Cuba. The one main street is mostly a pedestrian zone with a lot of benches to sit, art, colors, decorations and a lot of little stores. For the first time we felt a little out of place. There were little to no tourists around and some of the locals stared at us so that we did not feel very welcome. The few who talked to us tried to offer us their services, guiding us to restaurants or simply asked for money. Obviously they know tourism but there is so little that they try to use every chance. This was a very different experience, especially in contrast to the incredibly friendly encounters we had on the isolated islands. We had to get diesel from a street fuel station and when we came back to the harbour we had to show proof that we bought it officially and not on the black market. We also went shopping but like everywhere in Cuba there was not that much to buy and also the vegetable market did not offer us a lot of options.
We were not sad to leave after 2 nights in this very hot and smelly place and set sails eastward. Against every forecast we got west wind, right on the nose. Luckily it changed later to the normal direction and we did not have to motor all the way. A little less than 24h later we arrived in Maria la Gorda. A resort, far away from everything else, famous for diving. More than once people told us not to eat at the buffet in that hotel, they said it’s simply bad. Directly in front of the beach there are some moorings which we could use. It was very special, we sailed within 200 yards of the beach and there was nothing on our depth sounder and then suddenly you are in 30 feet of water. Of course you can tell that by looking at the water color and you can also see a lot of different patches of reef from that drop off to the beach but mostly deep enough to navigate. Right at the mooring we had 12 to 18 feet of water, once again crystal clear water and corals right below the boat. A fantastic place. We quickly did our paperwork, checked out the hotel and spent the rest of the day snorkeling. We decided to spend 2 nights there so we could also do a dive. The people from the diveshop recommended different divespots, they did not really agree which one was the best for us. We had a very easy but beautiful dive with reef, sandpatches, canyons, swimthroughs and caves. Later, for two dollars each, they filled our tanks. I was a bit sad that we could not spend more time there, I really enjoyed it and I recommend it to any cruiser.
Next was a daysail to Cabo San Antonio. It was not really my wish to go there but then we would have had to miss out on everything from Cayo Largo to there since only Cayo Largo and Cabo San Antonio are international ports from where you can leave the country. There our circle was closed, it was the first time we came to a place where we have been before. It didn’t change at all. There was still 4 small buildings, a closed down diveshop, a handful of workers and not tourists. Neither in Maria la Gorda nor in Cabo San Antonio we were able to get drinking water to fill our tanks because at both locations they told us that their pumps were broken. Also they could not sell us diesel, only through a not official way was I able to get at least 5 Gallons. According to my calculation that should have been enough to reach Isla Mujeres.
We arrived in the late afternoon at Cabo San Antonio and since we did not really like it there and there was a north wind coming up, from which direction the dock is not protected, we decided to get our paperwork done, shower, cook and leave. Instead of two days and one night we were going for two nights and one day. There was barely any wind and we left with our mainsail up and engine on. First heading south to enjoy the counter current and then west, 90 degrees to the Yucatan current or Gulfstream. The first night was uneventful, same the next day. There was a lot of seagrass and we realized how the boat slowed down significantly, we did barely more than 2 knots. So I got ready and in the middle of nowhere I jumped into the sea to check on the propeller. It was full of seagrass and also some plastic. Shortly after that we were going on with normal speed again. At night the engine started to give us some troubles. First a belt broke and I was fighting for a while with the replacement part which seemed to be a smaller size. It really is not a big deal to change a belt, but being very tired, working on the hot engine in a rolling boat… I also had to fight with myself but I was finally able to replace it. (Later in Mexico I looked at it again and I know now what to do differently to get that belt replaced without problems, even though this was not the first time I replaced a belt.)
Later that night the engine stopped. I changed the fuel filter, no problem and going on. But then the problem reoccured, we were sucking in air. I thought that we might be out of diesel soon and became a little nervous. Multiple times I bled the fuel lines to get the air out and I also poured my spare fuel in my tank. By now it was 3 AM and I realized that we were off course. The boat was pointed to 260 degrees, slightly South of West but the GPS showed me a course over ground of 320 degrees. We were still moving with the mainsail and engine but were not able to hold a course of 260 because the current was that strong. Later, when the engine stopped again I tried to sail at least a little in the right direction by unfurling the genoa but I was not able. With 5 knots of Wind I could try whatever I wanted, finally the GPS told me that we went straight North with 4 knots over ground.
I started to be quite nervous since I could not get the engine to run more than 20 minutes. Even though we sailed South the first part of the journey we were already further North than Isla Mujeres, due to that strong current going North. We only had 16 nautical miles to go, more or less 3 hours under normal circumstances but it started to look like we would drift without fuel into the gulf of Mexico. We discussed our options in case we would not get out of that current. Clearly, we were not in danger, with all the food we could have made it to Florida or Texas or whereever, it just would have taken a couple days which we did not want since my parents were about to arrive the next day. I saw on the charts that we were not far away from shallower waters, in this case less than a thousand feet compared to the several thousand before. I hoped that we would reach that area and that the current there would be weaker. I tried on of my last ideas I had to keep the engine running and maybe half a mile later we realized that we could go back to our course of meanhwile 250 degrees and the current dropped down to only 1-2 knots. With the first daylight we also saw the first fishing boats coming out of Isla Mujeres which gave us a good feeling. Help, if needed, would have been reachable. Spirits rose and soon we started to see the island and it was a big relief to drop the anchor a bit later. The second time that we did the journey from Cabo San Antonio to Isla Mujeres and the second time that it was a very difficult one. We learned later from two other boats that it was not only difficult for us and they reported a stronger current than usually and without wind you can quickly feel lost if the engine stops. While filling up the tanks we realized that we had at least one third left, so running out of fuel was never a real issue. Next step to find the problem was to replace all the fuel lines. Since then the problem did not occur anymore but since them I did not do any longer distances.
Even though we were exhausted, physically and mentally, we were very happy to be in Isla. It was good to hear familiar voices on the radio and seeing boats we already met. This rose our spirits quickly and I was also very looking forward to see my parents the next day.

Dieser Beitrag wurde unter Cruiserleben veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.