Die erste Einhand-Reise / The first single-handed journey


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Helmut: Danke für deinen Kommentar. Es freut mich dass es Leute gibt die meine Reise nun schon seit über 1.5 Jahren verfolgen. Mit Nicole hatten wir eine sehr gute Zeit, ich denke es hat einiges gestimmt, sonst wären wir nicht so lange zusammen unterwegs gewesen. Irgendwo hörte ich mal folgendes: Man kann 3 Jahre mit einer Frau zusammen sein und nicht wissen ob es die richtige ist. Aber 3 Wochen auf dem Schiff und du weisst es…

Die erste Einhand-Reise
An einem morgen mit Gewitter ging es los. Anker hoch und raus aus Isla Mujeres. Ich habe die Strecke in kleine Etappen geteilt mit vielen Optionen oder Plänen B, C, D und E. Nach einem abwechslungsreichen ersten Tag mit Regen, Sonnenschein, Flaute oder Böen um die 25 Knoten kam ich in Puerto Morelos an. Es gibt einen Ankerplatz hinter dem Riff und der Eingang ist seitlich und gut markiert. Da alles gut ging bin ich gleich unter Segeln ums Riff und habe zum ersten Mal an eine Boje festgemacht ohne den Motor zu benutzen. Es war ruhig und am nächsten Morgen habe ich gleich wieder unter Segeln abgelegt und ging weiter südlich. Dieser Tag war in seichtem Wasser um nicht gegen den Strom zu fahren, sehr nahe der Küste und auch den Riffen. Mit wenig Wind ging es vorbei am berühmten Strand von Playa del Carmen bis nach Akumal.

Das Buch beschreibt den Eingang als schmal und empfiehlt die Einfahrt nur bei sehr ruhigen Bedingungen. Neu sind jedoch Markierungen angebracht und deshalb bin ich da reingefahren. Ein Fehler. Kaum war ich durch den Kanal war der Raum sehr eng und als ich einen kleinen Kreis drehte sah ich überall Korallenblöcke, viele bis knapp unter die Wasseroberfläche. Ich hatte Glück das ich da nichts getroffen habe und es war für mich extrem stressig. Ich habe dann im engen Kanal geankert und wusste: Wenn der Wind dreht dann bin ich gleich auf einem Korallenblock. Ich schwamm an Land (Akumal Bay ist ein touristischer Ort mit abgesperrtem Bereich wo man mit Schildkröten schwimmen kann) und versuchte jemanden vom Tauchshop zu finden. Es war schon gegen 6 Uhr und ich fand nur einen Arbeiter der mir eine Boje zeigte wo ich festmachen konnte. Sehr nervös habe ich das Schiff dorthin verholt, der Tiefenmesser piepste dauernd weil ich nur sehr wenig Wasser unter dem Kiel hatte.

Am nächsten Morgen wurde ich dann verschickt, die Bucht sei nicht für private Schiffe geöffnet. Weiter gings, nahe der Küste bis in die Nähe der Maya Ruinen von Tulum. Diese Tempel wurden gleich auf den Klippen gebaut und sind sehr beeindruckend. Ich konnte einiges sehen aber die Distanz war dann doch zu gross um Fotos zu machen und der Ankerplatz ist nicht für eine Übernachtung empfohlen (Es lohnt sich auf Google Bilder von Tulum anzuschauen für alle die noch nie davon gehört haben). So ging es weiter und relativ spät kam ich nach Punta Allen, ein Ort am nördlichen Ende der grossen Bucht “Bahia de la Ascension”. Es gibt dort lange Riffe die nicht sehr gut in den Karten eingezeichnet sind aber ich konnte ohne Probleme rundherumfahren um geschützt zu Ankern. Bahia de la Ascension ist ein sehr wichtiger Ort für die mexikanische Fischindustrie, es werden dort Unmengen an Lobster gesammelt und verkauft.
Im letzten Jahr haben wir Isla Mujeres – Bahia de la Ascension in einer Übernachtfahrt gemacht. Wir waren niemals so nahe an der Küste und auch den Ankerplatz in der Bahia de la Ascension habe ich damals mit viel mehr Vorsicht ausgesucht. Bis hierhin ging alles nach Plan und ohne gravierende Probleme.

Von dort wollte ich nach 2 Nächten zur nächsten Bucht, Bahia Espiritu Santo. Als ich dann draussen war ging alles so gut und mit schönem Wind dass ich mich entschied gleich weiterzufahren, nach Banco Chinchorro. Sobald ich mich von der Küste entfernte kam ich aber in Gegenströmung und die Geschwindigkeit sackte ab. Plötzlich gings nur noch mit 2 Knoten vorwärts. Das ist ca. Schrittgeschwindigkeit. Ich versuchte es positiv zu sehen: Ich würde wenigstens bei Tageslicht ankommen, einfach am nächsten Tag. Bei Sonnenuntergang nahm der Wind dann zu und es gab wunderbares Segeln. Am morgen dachte ich noch an eine Tagesetappe und schon war ich das erste mal alleine auf einer Übernachtfahrt. Ich war relativ erholt und machte mir keine Sorgen. Geplant waren Ruhezeiten von 20 Minuten um dann kurz alles zu checken bevor ich mich wider hinlegen würde. Am Anfang war ich etwas nervös und erhob mich meistens bevor der Wecker ging. Später, als ich dann auch müder war, klappte es die 20 Minuten zu ruhen, an schlafen war jedoch nicht zu denken. Obwohl die Augen zu sind bleibt der Körper wach. Hören und spüren, jede Veränderung und jedes Geräusch wird wahrgenommen. Ich kam super vorwärts und genoss es bis ca. um ein Uhr morgens. Ich näherte mich dann dem Riff und fuhr vorsichtig durch die grosse Öffnung die ich vom letzten Jahr kannte. An einen neuen Ort würde ich niemals in der Nacht hineinfahren. Ich ging so nahe wie ich mich traute und liess dann den Anker fallen. Selbstverständlich gibts auch um 2 Uhr nachts ein Ankerbier welches ich unter einem grandiosen Sternenhimmel trank.

Ich war sehr glücklich, auf Banco Chinchorro freute ich mich sehr denn dies war bereits letztes Jahr ein Highlight. Zusätzlich war ich nun erstmals erfolgreich alleine in der Nacht unterwegs.

Am nächsten Morgen kam die Mexikanische Navy vorbei. Sie kontrollierten die Papiere und fragten: Wann bist du hier angekommen. Ich sagte: letzte Nacht. Später sagte einer: Ah um zwei Uhr morgens bist du angekommen. Ich musste schmunzeln, mir war schon vorher klar dass ich auch in der Nacht nicht unentdeckt unterwegs war. Sie waren sehr freundlich und wie schon letztes Jahr zeigten sie mir eine Boje wo ich festmachen konnte.

Banco Chinchorro: Ein Traum. Soweit ich weiss ist es touristisch nicht erreichbar. Die nördliche Insel wo ich lag gehört der Navy, betreten verboten. Auf der mittleren Insel leben ein paar Biologen da es hier noch einiges zum Erforschen gibt. Die Ostseite des Riffs gilt als gefährlich mit Strömung die in Richtung Riff setzt und es soll einige alte Spanische Schiffswracks haben. Die Unterwasserwelt ist fantastisch. Sowohl beim Schnorcheln als auch beim Tauchen war ich stundenlang fasziniert. Am Verhalten der Fische merkt man auch dass sie nicht viele oder noch gar nie mit Menschen zu tun hatten. Ich konnte Feuerfische jagen, fand viele kleine Viecher und wurde immer wieder von Haien überrascht die im Labyrinth von Korallenblöcken unterwegs waren. So waren die Tage fantastisch und am Abend verbrachte ich einige Zeit an Deck um Sterne zu zählen. Weit ab der Küste und ohne störendes Licht ist dies ein Erlebniss dass mich jedes mal von neuem in Staunen versetzt.

Ohne Buddy war ich beim Tauchen jedoch etwas limitiert und es war etwas schade dass ich nicht mehr Möglichkeiten hatte um ein paar dieser Wracks zu besuchen. Ich denke dass Banco Chinchorro ein Geheimtipp ist und wohl noch einige Jahre bleiben wird. Wer es dorthin schafft, idealerweise mit Tauchausrüstungen und Kompressor an Bord wird nicht enttäuscht werden.

Die nächste Überfahrt war die längste, wiederum durch die Nacht mit dem nächsten vielversprechenden Ziel: Lighthouse Reef in Belize. Von den Problemen und Geschehnissen dieser Etappe lest ihr im nächsten Artikel.

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Helmut: Thank you for your comment. It makes me very happy to see that some people are following my journey now since more than one and a half year. With Nicole we had a fantastic time, I think there were a lot of things going well between us, otherwise we would not have travelled together for that long. Somewhere I heard this: You can be 3 years with a woman and you do not know if it is the right one. But 3 weeks on a boat with her and you know…

The first single-handed journey
It was on a day with some thunderstorms that I pulled my anchor up and left Isla Mujeres. I split the whole trip in a lot of smaller journeys that were mostly doable in a day and of course I had a lot of open options or plans B, C, D and E. After a first day with all different conditions like rain, sunshine, no wind or gusts around 25 knots I arrived in Puerto Morelos. There is a anchorage behind the reef and the entrance is from the side and well marked. Since everything went that well I entered under sails and for the first time I tied to a mooring, using sailpower only. It was a calm night and the next morning I left the same way, only sails up, no engine. This day was in shallow waters, very close to the coast and the reefs so that I would not get in the strong current setting against me. With little wind I passed the famous beach of Playa del Carmen and sailed down to Akumal.

The book describes this entrance as very narrow and only recommended in flat calm conditions. Now someone put some channel markers there so I decided to enter. A mistake. As soon as I was through the channel there was not a lot of room and when I did a small circle I realized that there were coral heads everywhere, most of them reaching almost to the surface. I was lucky that I did not hit anything and dropped anchor right in the entrance channel. I knew that if the wind would turn I would hit a coral head close by. So I swam ashore to find someone of the diveshop. Akumal is a very touristic place with a marked area where you can swim with turtles. So this area takes the most of the bay and leaves very little room to anchor. It was close to 6 and the diveshop was closed but I was able to find a guy who pointed out a mooring ball where I could tie on. I was very nervous and moved to boat to that location but the depthsounder kept beeping the whole time because there was so little water below my keel. Next morning another guy came by and send me away. Apparently the bay is not open for private vessels. So I continued close to shore till I reached the Maya ruins of Tulum. Those temples are build right on the cliffs, very impressive. I could see some of it but it was to far away to take pictures and I did not want to enter the reef since it was late and the anchorage is not recommended to overnight (It’s worth to google some picture of Tulum for the people who never heard of it). A couple hours later I arrived in Punta Allen, a village that marks the northern end of the Bahia de la Ascension. There are some long reefs far out which are not well marked in the charts but it was not so hard to sail around them to find a protected anchorage behind. Bahia de la Ascension is an important area for the Mexican fishing industry, they take countless numbers of lobster out of those waters.

A year ago we did this stretch from Isla Mujeres – Bahia de la Ascension in one overnight. We were never as close to shore as I was this time and also the anchorage in the Bahia de la Ascension was chosen with a lot more safety concerns. Until here everything went as planned and without major problems.

After two nights there I wanted to sail to the next Bay, Bahia Espiritu Santo. As soon as I was out again everything went very well and with nice wind so that I decided to keep going directly to Banco Chinchorro. But as soon as I was further away from the coast my boatspeed dropped to around 2 knots because I got in the current. I tried to see the positive side: I would at least arrive during daylight, only a day later. Around sunset the wind picked up and I had some marvellous sailing. Leaving in the morning I had a daysail in mind and here I was, doing my first single-handed overnight. I was well rested and I did not worry. I planned to do twenty minutes of resting and then check on the boat and surroundings before resting the next twenty minutes. In the beginning I was quite nervous and I got up before my alarm went off. Later, as I became more tired it got easier to rest the full twenty minutes, but I was far away from sleeping. Even though the eyes are closed, the body is awake. Listening and feeling for every change, every noise. I moved quickly and enjoyed it till around 1 in the morning. I got closer to the reef and entered through the big gap in the reef which I already knew from last year. I would never dare to arrive at a new place at night. I went as close as I could while still feeling comfortable and dropped anchor. Of course I enjoyed my anchorbeer, it was around 2 in the morning below a superb sky full of stars.

I was very happy to be at Banco Chinchorro because it was already a highlight of the trip last year. In addition I just ended my first successful sail at night.
The next morning I got a visit from the Mexican Navy. The checked on my papers and asked: When did you get here. I answered with “last night”. Later one of them said: So you arrived here at 2 in the morning… I had to smile, it was clear to me that my arrival was not unnoticed. They were very friendly and like last year they showed me a mooring ball where I could tie to.

Banco Chinchorro: A dream! As far as I know one can not reach it by normal tourism. The northern island belongs to the navy, going ashore is prohibited. On the central island there are some biologists doing research. The eastside of the reef is known as very dangerous because a current sets towards the reef and apparently there are several old spanish wrecks. The underwater world is fabulous. While snorkeling and diving I was amazed during hours. You can clearly tell by the behaviour of the fish that they have not seen humans very often, if at all. I could hunt lionfish, found a lot of little critters and got surprised multiple times by sharks when they came around the next corner in this beautiful maze of coralheads. The days were fantastic and I often spend hours at night sitting on deck to count stars. Far away from the coast without any disturbing lights this is an experience that I will never get tired of.
Without a buddy I was a little limited while diving and it is sad that I could not explore more, especially that I had to miss out on some of those wrecks. I think Banco Chinchorro is an insider tip and I guess it will stay like that for at least a couple years. Anyone who is able to get there, ideally with diving equipment and a compressor will not be disappointed.

The next leg was supposed to be the longest, again through the night with the famous Lighthouse Reef in Belize as next auspicious stop. If you wanna read about the happenings and problems on this journey, stay tuned, the next article is going to appear soon.

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