Banco Chinchorro -> Lighthouse Reef


Guten Mutes hiess es in Banco Chinchorro “Leinen Los!”. Da der Eingang zum Riff relativ weit ist habe ich hier gleich wieder unter Segeln abgelegt und hatte einen langsamen aber gemütlichen Segeltag, die ersten Stunden dem Riff entlang und geschützt vor Schwell. Am Abend nahm dann der Wind wie schon auf der letzten Etappe zu und ich hatte ideale Segelbedingungen mit 15-17 Knoten auf einem Halbwindkurs und wenig Schwell.
Dies ging bis etwas nach Mitternacht und ich folgte meinem Rhythmus von 20 Minuten ruhen und dann Rundumblick & Check bis ich ein starkes Gewitter sah. Im Sekundentakt kamen Blitze runter und die Zelle schien genau auf meinem Kurs zu liegen. Da wollte ich natürlich nicht hinein und so habe ich beigedreht. Während zwei Stunden schob mich die Strömung mit einem Knoten wieder zurück nach Norden aber das war besser als das Risiko eines Blitzschlags einzugehen. Als das Gewitter weiter Westlich war gings weiter, immernoch mit idealen Segelbedingungen. Segel waren für die Nacht (wie immer) aus Sicherheit gerefft und sehr bald hatte ich wieder eine schöne Geschwindigkeit von ca. 6 Knoten. Ich legte mich wieder hin.

5 Minuten später merkte ich wie der Wind stärker wurde. Ich erhob mich direkt und mit einem Schritt war isch schon hinter dem Steuerrad doch der Wind war schneller und der Alarm für mehr als 30 Knoten piepste schon munter. Autopilot aus und Abfallen war mein erster Gedanke, jedoch habe ich die Schot vom Grosssegel nicht gelöst und der Druck auf das Ruder war ziemlich gross. Zu gross für die Kette welche die Bewegungen vom Rad zum Ruder überträgt. Diese brach und ich verlor die Kontrolle übers Schiff. Das Rad drehte leer und das Schiff wurde zum Spielball von Wind und Wellen. Sofort war mir bewusst das es jetzt ernst wird. Panik war es keine aber das Adrenalin war da und um ein bisschen für Spass zu sorgen begann es in Strömen zu regnen. Rettungsweste ausziehen, Jacke an, Rettungsweste darüber, einpicken und aufs Deck. Selbstverständlich gab der Windmesser immer noch fröhlich seinen 30+Knoten Wind Alarm aus, vermutlich war es näher bei 40 aber ich hatte keine Zeit darauf zu schauen. Kaum hatte ich das Grosssegel runtergerissen, Motor an und war wieder Herr der Lage war der Wind weg. So schnell wie er gekommen war fiel er runter auf 0. Ich sass da, war wieder auf Kurs dank dem Autopiloten welcher direkt am Ruderpfosten angebracht ist und nicht am Rad und dachte darüber nach was soeben passiert ist. Bis ich über mich selber zu lachen begann und dann machte ich mich an den Einbau der Notpinne. Dies war kein Problem und auch der rest der Fahrt verlief gut. Da ich mich weit weg von Land, Riffen oder Verkehr befand fühlte ich mich nie wirklich in Gefahr.

Als ich am nächsten Morgen zu den “Two northern Cayes” beim Lighthouse Reef ankam war die Sonne noch tief und ich traute mich nicht den Eingangskanal zu suchen. Ich ankerte draussen und versuchte das Resort auf der Insel per Funk zu erreichen. Das Buch spricht vom neusten Resort vom Lighthouse Reef und einem modernen Diveshop der keine Wünsche offen lässt. Ich bekam keine Antwort aber dafür Besuch von den Parkrangern welche 10 Meilen weiter südlich stationiert sind. Papiere wollten sie keine sehen, sie fragten nur ob alles in Ordnung sei und ich erklärte mein Problem mit der Steuerung und dass ich gerne wissen würde wo der Kanal ist um hinters Riff zu kommen. Der Parkranger zeigte auf ein Haus und sagte: Schau, das grosse Haus mit der Antenne. Von deiner Position fährst du genau darauf zu und dort ist der Kanal. Ich war dumm und habe ihm geglaubt. Kurz darauf fuhr ich direkt auf das Riff zu. Es war mittlerweile Mittag und die Sonne stand hoch was mir eine grosse Hilfe war. Ich steuerte etwas neben dem offensichtlichen Riff vorbei und spürte plötzlich einen Ruck durchs Schiff gehen. Gleich neben dem Schiff sah ich Korallenköpfe bis an die Oberfläche kommen und ich bekam Angst. Der Tiefenmesser zeigte mir jedoch 3 Fuss unter dem Kiel an und fiel dann schnell auf über 15. Ich war drin. Unglaublich nervös fuhr ich näher an die Insel und ankerte.

Als ich an Land ging wurde ich von einem jungen Kerl anfangs zwanzig begrüsst welcher mich für die nächsten 2 Tage mit Sir ansprach. Er und ein zweiter junger waren die einzigen auf der Insel, obwohl mein Buch von 2013 ist und von einem modernen Resort sprach sagten sie dass das Resort seit 10 Jahren geschlossen ist. Sie starteten ihren Generator so damit ich ihr Wifi benutzen konnte und fragten ob ich gleich mit ihnen Essen wollte. Ich erklärte ihm dass ich kein Geld von Belize dabei hatte doch er lachte nur und sagte dass es nichts kosten würde. Ohne eine Gegenleistung zu erwarten wurde ich dort mit Essen und Trinken bedient, bekam Wasser um meine Tanks zu füllen und konnte ihr Wifi benutzen. Ich begleitete die Kerle am nächsten Tag zum Schnorcheln und dann bekam ich es mit der Angst zu tun. Es war sehr eindrücklich, tolle sehr hohe Korallenköpfe. Aber diese waren überall und ich fand keinen klaren Kanal wo ich am nächsten Tag sicher rausfahren könnte. Nach ca. zwei Stunden Schnorcheln entschied ich mich dann für einen der grössten Koralleköpfe und machte dort eine kleine Boje fest. Ich musste ziemlich nahe daran vorbeifahren aber dann sollte ich ohne Grundberührung rauskommen. Dort fand ich dann noch einen Feuerfisch welcher ich dann den zwei Jungs als Dankeschön ans Ufer brachte. Nachdem ich sie mehrmals fragte ob sie etwas brauchten zeigte mir einer von den Jungs seine Maske welche von einem Stück Draht zusammengehalten wurde und fragte ob ich noch einen Schnorchel hätte. Davon haben wir in den letzten Monaten ein paar gefunden, viele Ausflugsboote verlieren diese Dinger en masse, und es war kein Problem ihm zu helfen. Für mich nicht viel, aber er sah sehr glücklich aus. Am nächsten Tag gings gemäss Plan raus und ich war zwar nervös aber es klappte. Ein Blick aufs GPS zeigte mir dann dass ich extrem viel Glück hatte auf meinem Weg hinein. Dies hätte böse enden können und zerstörte mein Vertrauen in den Parkwächter.

An diesem Tag gings bei 20 Knoten Wind im Lee vom Riff nach Süden. Meistens um die 6.5 Knoten, manchmal 7 und selten unter 6. Eine kurze Etappe und ich war bei Long Cay. Dies war im Buch dann auch besser beschrieben und ich kam ohne Probleme an meinen Ankerplatz. Auf dieser Insel fand ich dann auch ein Diveresort und ich verbrachte dort fast eine Woche. Übers Tauchen dort schreibe ich im nächsten Artikel.

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With a good feeling I left Bancho Chinchorro. Since the entrance through the reef is very wide I decided to not use the engine and untied from the mooring ball just using sailpower. I had a slow but easy sail during the day, the first couple hours along the Chinchorro reef which protected me from any swell. After sunset the wind picked up, like it did the previous couple days and I had some splendid sailing conditions with a beamreach, little swell and 15-17 knots of wind.

This went till midnight and I followed my rhythm of 20 minutes resting and then checking on and around the boat when I realized there was a thunderstorm right in front of me. Every second I could see a lightning coming down and I was heading right into it. So I decided to hieve to and I waited for about two hours while the curren pushed me slowly back from where I came from. I prefered drifting back than getting hit by lightning. As soon as the stormcell was further to the west I went on, still having great conditions. As usual during night, my sails were reefed and very soon I went on with a nice boatspeed of around 6 knots and I tried to rest again.

5 minutes later I realized that the wind was picking up. I got up immidiately and was behind the steering wheel with just one step. But the wind was quicker and before I even got there the wind alarm, which is set at 30 knots, started beeping. I turned the autopilot off and my first thought was to fall off. I was very stupid in that moment and did not ease the mainsheet at the same time, so there was a lot of pressure on the wheel until the one very special moment when the wheel started to turn freely. I lost my steering! By then the rain came and it was pouring down but I was out of control and the boat was pushed around by wind and waves. I realized very quickly that this was serious but there was no real panic. I took my lifejacket off, put my foul weather jacket on (which was of course ready in the cockpit) and put the lifejacket back over it. I picked in and went up to the mast to get my mainsail down. Of course the wind alarm was still beeping and I think it was closer to 40 but I did not have time to look at it. As soon as I had my mainsail down, turned the engine on and was in control again the wind died. I sat there, following my course again, thanks to the autopilot which is attached directly to the rudderpost and was thinking about what just happened. Until I started to laugh at myself because of my stupidity and I started to install the emergency tiller. This was not a problem and the rest of the trip went fine again. Since I was far away from land, reefs and traffic I never felt in danger.

When I arrived early next morning at the “Two northern Cayes” at the famous Lighthouse Reef the sun was still low and I did not dare to try and find the entrance channel. I dropped my anchor outside and tried to reach the resort by radio. The book describes it as the newest developpment on Lighthouse reef with a very modern diveshop. No one replied but later I got a visit from the park rangers who are based about 10nm further south. They did not want to see any papers, they just asked if everything was ok. I explained my problem with the steering and said that I would like to know where the entrance channel is to get inside the reef. The parkranger pointed towards a specific building ashore and said: From your position, head exactly towards that building, that is the channel. I was stupid again and believed him. Shortly afterwards I started to head directly for the reef. It was close to midday and the sun was high which probably saved me. I steered away from the obvious reef where he said was the channel but then I felt a bump. Right next to the boat I saw coral heads coming almost to the surface and I got very scared. The depth sounder showed 3 feet below keel and then dropped quickly to 15 or more. I was inside. Feeling very nervous I made my way closer to shore and dropped anchor.

When I went ashore I met a guy in his early twenties who would call me Sir for the next two days. He and another young guy are the caretakers and the only people on the island. Even though my book that talked about a modern resort was printed in 2013 they told me that the resort was closed since ten years. They started their generator so I could use their Wifi and asked if I would eat with them. I explained that I had no Belizean money but he just laughed because he did not expect me to pay anything. They were very friendly, gave me food, drinks and as much water as I needed to fill my tanks. I went snorkeling with them the next day and that was when I got really scared. I snorkeled around for two hours in an amazing underwater world with very beautiful and high coral heads. But they were almost everywhere and I could not find an obvious channel and started to worry because I did not know how to get out of there again without running aground. Eventually I decided to tie a little buoy on a very tall coral head. I knew that I had to go very close to it but should be able to leave without touching. While doing this I saw a Lionfish which I speared and brought it to the young guys to give at least something back. When I asked them multiple times what I could give them one of them asked if I had a snorkel and also showed me his mask where he used a steel wire to keep it together. Since we found a couple of those in the last months ( a lot of tourist boats lose them all over ) it was not a problem to help him out. It was nothing for me but seemed to make him very happy.

The next day the scary moment came to head out again but my preparation with the buoy was very helpful and I got out without any troubles. When I looked on the GPS and saw my track where I went in I realized how lucky I was going in. That could have been the end of the adventure and made me feel bad about the park ranger who I trusted.

This day was a marvellous sail in 20 knots of wind, in the lee of the reef heading south. Mostly I did 6.5 knots, sometimes over 7 and seldom below 6. With that speed it only took me a couple hours and I arrived at Long Cay. I was back on the beaten path and a place that was better described in my guidebook so I was able without any fear, danger or issues to get to the anchorspot. On this Island I actually found a dive resort and I spend almost a week there. If you want to read about the diving there, check back soon for the next article.

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Eine Antwort auf Banco Chinchorro -> Lighthouse Reef

  1. Christoph sagt:

    Hallo Patric,
    Immer wieder eine Freude deine spannenden Geschichten zu lesen! Weiterhin alles Gute und viel Freude bei deinen nächsten Abenteuer!

    Grüess Christoph