Zurück nach Guatemala / Back to Guatemala

Zurück nach Guatemala, zurück „nach Hause“

Die letzte Etappe übers Meer, von Placencia (Belize) nach Livingston (Guatemala) war dann nochmals etwas länger und ich erwartete auch wieder Wind aus Osten, gemäss mehreren Vorhersagen. Es kam natürlich anders, ich motorte durch den Morgen und bekam dann Wind von Westen. Dies störte nicht sonderlich da mein Kurs näher bei Süd als bei West lag. Ich kam kurz nach der Flut nach Livingston und überquerte ohne Probleme die Sandbank. Ein Anruf bei Raul, dem Agenten, und er organisierte die Behörden gleich für den nächsten Morgen und dann machte ich den letzten Fehler dieser Reise:

Ich ankerte ganz ungewissenhaft, achtete nicht besonders auf die Kettenlänge und war relativ nahe dem seichten Wasser und einem anderen Boot. Ich ging das ganze so locker an da ich dachte: Hier bin ich, angekommen, sicher. FALSCH. Die Kette hing lose da das Schiff zwar im Wind ausgerichtet war, der Anker aber mit der Strömung lag. Livingston ist leider auch gar nicht geschützt und der Wind der dann doch aus dem Osten kam baute eine kleine steile Welle gegen die Strömung vom Rio Dulce auf. Es war zwar nicht besonders komfortabel aber in Ordnung. Bis gegen neun Uhr Abends plötzlich eine kleine Böe kam. Sofort war ich draussen, verschloss alles und wurde schon von Regen und Böen über 30 Knoten getroffen. Ich sah das Nachbarschiff an mir vorbeiziehen, aber der Eindruck täuschte. Dieses Fischerboot war an einer fixen Boje. Das Schiff das trieb war meines. Sofort wurde der Motor gestartet, Lichter an und da ich das Gefühl hatte mein Anker sei nicht fest versuchte ich diesen weiter hinaus in den Fluss zu ziehen. Der Wind bliess nun konstant über 30kn und es schüttete aus Kübeln. Immer wieder schwang ich mit dem Schiff in Richtung anderer Fischerboote und näher ans Land. Nach einer Weile liess der Wind kurz nach und ich fragte mich weshalb der Alarm denn immer noch piepst: Fast kein Wasser mehr unter dem Kiel. Der Anker war nun zwar fest aber mein Heck schwang immer wieder in den Bereich wo mein Tiefenmesser nur noch ein paar Zentimeter unter dem Kiel anzeigte. Es waren ein paar bange Momente und das ganze dauerte über 45 Minuten bis der Wind dann mal wieder unter 10 Knoten war. Ich nutzte diese Chance und ankerte dann weiter draussen im Fluss, mit mehr Distanz zu Schiffen und dem Land. Der Rest der Nacht verlief ruhig und ich hatte eine grosse Lektion gelernt: Geankert wird immer gewissenhaft nach allen Regeln. Es gibt keinen Grund hier nachlässig zu sein.

Das Einklarieren am nächsten Tag ging fix und ich genoss die Fahrt durch die Schlucht auf dem Rio Dulce. Ich sah schon den Ort Fronteras, sah die Brücke und schielte schon den ganzen Vormittag auf die Meilenanzeige. Hier erreichte ich meine ersten 3000 nautischen Meilen auf dem eigenen Bug. Ich konnte mich jedoch nur kurz freuen da ein Schlauchboot auf mich zugerast kam. Ich erkannte meine Freunde Mike und Kim von weitem. Auch sie hatten meinen GPS Tracker im Internet verfolgt und fuhren mir deshalb entgegen. Mike kam dann an Bord um beim Einfahren in den Liegeplatz mit den Leinen zu helfen. Ein kurzer Funkruf an die Marina und auch dort wurde ich erwartet. Es fühlte sich an wie nach Hause zu kommen. Dieses Anlegebier schmeckte vorzüglich und beendete eine wunderbare, 7 monatige Segelsaison…

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Back to Guatemala, back „home“

This last journey on the sea from Placencia in Belize to Livingston in Guatemala was a bit longer and I expected the easterly wind to come back. At least multiple forecasts said so.

Of course it was different and I motored the whole morning and then got some wind from the West. This was not a big deal since my course was closer to South than to West. I arrived shortly after the high tide and crossed the sand bar without any issues. A quick call to Raul, the agent, and he organized the authorities to come see me the next morning.

And then I made the last mistake of this journey:
I anchored without paying to much attention to the chainlength, was quite close to another boat and also to the shallower water. I took this so easy because I felt safe, I felt like I arrived and the dangerous sea was far away. I was wrong. The chain was not stretched since the boat was lying in the wind but the anchor was lying in the current of the river. Livingston is not protected at all and the wind that finally turned to the East created a short little chop against the current. It was not very comfortable but ok. At least until nine in the evening when a little gust came. I went up very quickly, closed everything and by the time I was in the cockpit I got hit by gusts above 30 knots and the rain just started. I saw the boat next to me drifting by but that was not correct. It was attached to a mooring ball, the boat that was drifting was mine. I immediately started the engine and turned on all the lights. Since I thought my anchor was not set I tried to drag it further out in the river, away from the fishing boats and in deeper water. By now the wind was constantly above 30 knots and rain was pouring down. After a while the wind dropped below 30 for a couple seconds and I was surprised that the alarm was still ringing. The reason was that there was barely water left below my keel. My anchor held but once in a while I was swinging towards those other fishing boats and closer to shore. I was a little worried since my depth sounder showed me less than a foot below my keel. There were some scary moments and the whole show took about 45 minutes until the wind dropped below ten knots and I took my chance to re-anchor further out in the river, with more distance to the shallow area and other boats. The rest of the night was quiet and I learned a huge lesson: Never ever take anchoring easy. Always follow all the rules, even if you think it’s a nice anchorspot and nothing is going to happen. There is no reason to take this risk and not to do it properly.

Clearing in the next day was quite easy and I enjoyed my sail up the canyon of the Rio Dulce. I already saw the village of Fronteras, saw the bridge but kept watching my GPS: Here I crossed the imaginary line of the first 3000 nautical miles, sailed on my own boat. There was not much time to celebrate since a dinghy came speeding towards me. From far away I realized that it was Mike and Kim. They too have been watching my online GPS tracker and came to greet me. Mike boarded to help me with the lines to enter my slip. A quick call to the Marina and the also expected me. It felt like coming home. This docking beer tasted delicious and closed a marvellous, 7 month long cruising season.

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Eine Antwort auf Zurück nach Guatemala / Back to Guatemala

  1. Manuela sagt:

    Lieber Patric, klingt interessant, was du da machst! Wir würden gerne über deine Reise berichten, wenn du einverstanden bist. Melde dich doch unter info@1815.ch, schöne Grüsse, Manuela