Gabys erster Segeltörn / Gaby’s first sailing trip


Pictures by Gaby Ochoa

Gabys erster Segeltörn

Der Törn von Rio Dulce nach Roatan brachte ein paar Schwierigkeiten mit sich, aber das bin ich mir nun ja gewohnt. Der Plan war zusammen mit Jerry und Susan auf Vida Dulce (einem Lagoon Katamaran) von Livingston nach West End Roatan zu segeln. Sie starteten einen Tag früher um flussabwärts eine Nacht zu ankern. Wir wollten am nächsten morgen früh los und da es einfacher ist einen Anker hochzuziehen statt Stromkabel und Leinen an einem Liegeplatz zu lösen haben Gaby und ich gleich vor der Marina geankert. Dabei fiel mir auf dass der Motor nicht rund läuft, die Drehzahl schwankte rhythmisch. Es vergingen zwei Tage bis ich das Problem gefunden hatte. Ich vermutete ein elektrisches Problem mit der Lichtmaschine aber ein Elektriker zerstreute meine Gedanken und so kam ein Mechaniker vorbei. Dieser fand nichts und deshalb habe ich nochmals mit dem Elektriker gesprochen und tatsächlich war die Lichtmaschine defekt. Reparieren würde sich nicht lohnen und Teile bestellen sowieso 10 Tage dauern. Für kleines Geld konnte ich von einem anderen Segler eine Ersatzlichtmaschine abkaufen und nach wenig Anpassung lief das ganze auch. Somit packten wir das nächste Wetterfenster und fuhren Flussabwärts nach Livingston.

Dort funktioniert meine Ankerwinsch nicht wie gewünscht. Ich konnte zwar Kette hochziehen aber nicht runterlassen. Komisch. Nach 3 Versuchen mit dem Ersatzanker welcher nicht hielt habe ich den Hauptanker von Hand runtergelassen und wir waren fest. Mit Werkzeugen bewaffnet schaute ich mir das an und fand als Ursache ein Anwendungsfehler. Unbewusst habe ich einen Schalter aktiviert welcher für die manuelle Bedienung gedacht ist und genau das machte was er sollte, die Ketter zu blockieren damit sie nicht unkontrolliert ausrauscht. Meine Dummheit also, wenigstens nichts defekt. Ich merkte auch dass der Haupt Autopilot nicht funktionierte und eine Fehlermeldung ausgab. Hier fand ich keine Ursache und entschied mich wegen der sehr gemässigten Wetterprognose mit dem zweit-Autopiloten zu fahren.

Ausklarieren war kein Problem, die Überquerung der Sandbank vor Livingston auch nicht, wir hatten immer mindestens 10-20 Centimeter Wasser unter dem Kiel und so gings am nächsten morgen früh los. Mit halbem Wind aus der Bucht von Amatique und dann vor dem Wind in Richtung Osten. Ja genau, wir hatten Westwind. Sehr selten und meistens zusammen mit einer Kaltfront und NW Winden, in diesem Wetterfenster sollte es aber ruhig bleiben mit Winden unter 10 Knoten und einem Schwell kleiner als einem Meter. Mit der Genua alleine segelten wir (wohl dank Strömung) zügig erst etwas in Richtung NO um Distanz zur honduranischen Küste zu gewinnen und dann direkt nach Osten. Hier gab es im letzten Jahr zwei Fälle von Piraterie und deshalb wollten wir eigentlich mit Vida Dulce zusammen segeln aber auch ein paar Tage später waren ein paar Schiffe auf der gleichen Route welche wir kannten. Die See war ruhig und der entgegenkommende Schwell wohl nur um die 30 cm. Wir machten uns feine Hamburger mit Blauschimmelkäse und genossen den Nachmittag.

Gegen Abend liess der Wind dann nach und wir liessen den Motor mitlaufen. Motor bedeutet Gestank, Kosten, Vibrationen und Lärm. Aber Motor bedeutet für mich immer auch eine gewisse Nervosität da halt ab und zu etwas nicht stimmt und er seinen Dienst quittiert und besonders da ich gerade ein Problem mit der Lichtmaschine hatte war mein Vertrauen nicht sehr gross. Tatsächlich stoppte er dann ohne Vorwarnung kurz vor Sonnenuntergang. Das Design der neuen Lichtmaschine ist etwas anders und ich habe nicht gut aufgepasst, durch den Seegang verschob sich eine Dieselleitung, kam an ein bewegtes Teil und scheuerte die Leitung längs durch. Zum Glück war dies auf der Saugseite des Systems und ich bekam nur Luft in die Maschine und keine Dieselhavarie im Maschinenraum. Ich hatte Ersatzschlauch und so war das Problem schnell behoben.

Später hörte ich dann ein quietschendes Geräusch und die Drehzahl fiel. Motor aus und Kontrolle, der Riemen war gerissen. Ein brandneuer, original Yanmar Riemen versagte nach weniger als 10 Motorstunden seinen Dienst. Natürlich war mittlerweile Nacht und es war heiss, ideale Voraussetzungen um Seekrank zu werden wenn man an der Maschine arbeitet. Es hielt sich dank der ruhigen See jedoch in Grenzen und bald darauf war ein neuer Riemen eingesetzt.

Als gegen Mitternacht meine Wache anfing waren es immer noch gemütliche Bedingungen aber wir benötigten immer noch die Motorunterstützung. Dann nahm der Wind zu und ich freute mich. Besser wäre ich aber vorsichtig gewesen denn es war eine rasche Zunahme und der Wind drehte auf N und dann Nordost und war binnen Sekunden auf über 20 Knoten begleitet von strömendem Regen. Dieser Squall war eher schwach aber ich kämpfte ein paar Minuten mit der Rollreffanlage. Kurz darauf wurden wir von einem zweiten, stärkeren Squall getroffen aber die Segelfläche war bereits soweit verkleinert dass dieser keine Probleme mehr darstellte. Wir segelten nun auf einem am Wind Kurs und der Wind blieb bei 20-22 Knoten aus NO. Nicht schlimm aber auch nicht ideal und natürlich nicht gemäss der Vorhersage. Für Gabys Wache sind wir dann abgefallen und segelten einen SE Kurs für ein paar Stunden. Dies bewahrte sie vor Seekrankheit und es war um einiges angenehmer. Gegen den morgen liess der Wind wieder nach und drehte zurück auf W, unser Kurs war wieder O, nach Roatan. Einzig die Welle welche sich mit den etwas mehr als 20 Knoten in der Nacht aufbaute blieb noch eine Weile. Zum Sonnenaufgang sahen wir Utila und gegen Mittag erreichten wir West End. Weil in dieser Gegend in den Tagen zuvor Walhaie, Pottwale und anderes gesichtet wurde waren wir den ganzen morgen auf dem Bug um Ausschau zu halten, hatten aber leider kein Glück.

Am Nachmittag fuhren wir noch mit dem Bus nach Coxen Hole und haben ohne Probleme einklariert. Der zweite Autopilot hat seinen Dienst gut gemacht, obwohl dass es rauer als geplant war. Die neue Steuerungskette funktionierte einwandfrei und auch das Rigg offenbarte nichts besonderes. Die Überfahrt war nicht ganz so einfach wie ich mir das vorstellte aber es war in Ordnung und auch Gaby bereute ihre Entscheidung mitzusegeln nicht.

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Gaby’s first sailing trip

The trip from Rio Dulce to Roatan included some difficulties, but I think I’m quite used to that by now. The plan was to sail together with Jerry and Susan on Vida Dulce ( a Lagoon Catamaran) from Livingston to West End, Roatan. They left a day before us to anchor somewhere downriver. Since it is easier to pull up an anchor than untying lines and a power cord in a slip we anchored right in front of the marina. We wanted to leave early next morning but I realized that my engine didn’t run stable. The rpm’s changed every second, up and down. It took me two days to find the problem. I was thinking of an electrical problem but the electrician told me to get a mechanic. This one did not find anything and I talked with the electrician again and we found out that my alternator did not work properly. He looked at it and told me that it was not worth repairing it and ordering parts or a new one would take over 10 days. I was able to get one for little money from a cruising friend and after little work it fit my engine and we prepared to leave with the next weather window.

We went downriver to Livingston and there I realized that I had a problem with my windlass. It would pull the chain up but not let it out. Weird. After trying tree times with the spare anchor and we kept dragging I put the main anchor down by hand and we were holding. Armed with tools I went to look at my windlass only to found an operator problem. There is a little switch to block the chain from running out which I activated without knowing. My stupidity but at least nothing broken. I also noticed that the main autopilot did not work but since the forecast was very calm I decided to trust the second autopilot.

We had no problems clearing out and the same for crossing the sandbar in front of Livingston. We always had at least half a foot of water below the keel. We left in the morning and had a nice Westwind, first beam and then reach as soon as we were out of Amatique Bay. Yes, you read right, we had west wind which is rare. Usually it comes together with a cold front and NW and N winds. But in this forecast everything seemed calm with West winds of less than 10 knots. With Genoa only we were heading first NE to get away from the Honduran coast and then E, we made good speed, probably because of some current helping. Last year there were 2 piracy incidents off the honduran coast and that was the reason we planned to go with Vida Dulce. But also during this weather window there were enough other boats around of which we knew a few. The sea was calm and we prepared some delicious blue cheese burgers and enjoyed the afternoon.

Later the wind slowed down and we started the engine. Running the engine always means costs, smell, vibrations and noise. But for me it always means some nervousness. Especially after just changing the alternator I did not completely trust it. And of course, without showing any sign before it quit just before sunset. The new alternator is designed a bit different and I was not careful, a fuel hose moved in the waves and touched a moving part where it chafed through. Easy fix, new piece of fuel line in and luckily it was on the suction side so I only got air in the fuel system but not a engine room and bilge full of diesel.

Later I heard a squeaking noise and the rpms dropped. I stopped the engine and checked, the belt broke. I just put in an original Yanmar belt when I changed the alternator. It failed after not even 10 hours. Meanwhile it was dark and hot inside the boat, exactly what I need to get seasick but since the seastate was calm it was ok and a new belt was mounted quickly.

Around midnight during my watch we still had easy conditions but wer using the engine. I was happy when the wind picked up but should have been a bit more careful since the direction changed as well. Within seconds we had more than 20 knots of wind from the NE and rain was pouring down. It was not a strong squall but I was fighting a little with my roller furling. Shortly after that we got hit by another, stronger squall but the sail area was already that small that it was no problem at all. We were sailing close to the wind now and we had 22 knots sustained. Not bad but also not ideal and during Gaby’s watch we fell off for a couple hours to have a calmer course but going SE.
This kept her from becoming seasick and it was a lot more comfortable. Early in the morning the wind backed to W and slowed down again. We went back to our course E heading straight to Roatan and we saw Utila when the sun rose. We still had some seas after half a night of NE 20+ winds but the waves became smaller every hour. There were a lot of sightings of big animals in that area lately so we spend a lot of time on the bow but were not lucky. None of the whalesharks, sperm whales or pilot whales showed up and we got to West End at lunch time.

In the afternoon we did a quick trip to Coxen Hole and checked in without problems. The second autopilot did a good job, even though it was not as calm as predicted. Also the new steering chain and the new rigg did not show anything unexpected. The trip was not as easy as I thought it would be but it was ok and Gaby did not regret her decision to sail with me.

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